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02.03.2025
Themenbeitrag

SM und Tantra. - Gemeinsamkeiten zur Diskussion

Was verbindet Tantra und SM? Subjektive Beobachtungen zur Diskussion.

In letzter Zeit gibt es wieder vermehrt Versuche, SM Elemente mit Tantra zu kombinieren. Das ist auch das Schwerpunktthema in der Märzausgabe der "Schlagzeilen"

Dabei ist vorwiegend das „rote“ Tantra gemeint, nicht so sehr die vorwiegend in die esoterische Richtung gehenden Formen. Und beim SM nicht die rein sadistischen, sondern mehr die erotisierenden oder in den Subspace führenden Spielarten.

  1. Was wird hauptsächlich als Ziel von Tantra Kursen angegeben? -durch Körperarbeit und Mediation zu sich selbst finden -bewusster leben, Einklang Körper und Geist -Nähe erleben, Erotik und Sexualität zu intensivieren -beim mehr „roten“ Tantra : befreite Sexualität als Lebenselixier begreifen und dann genießen können, erotische Techniken zur Steigerung sex. Freuden.

-Warum gehen Leute zu Tantra Kursen? Nach meinen Eindrücken sind (zumindest in den Basiskursen) Probleme sehr verbreitet, Nähe – auch rein körperliche- zulassen zu können. Das schränkt die eigenen Möglichkeiten ein, Erotik und Sex zu genießen. Da beide Formen des Tantra mit Sexualität zu tun haben, gehe ich davon aus, dass auch Personen, die anderes vorgeben, insgeheim an diesen Themen interessiert sind (sonst gingen sie z.B. zu reinen Meditationskursen o.ä.) Es kommen also Leute, die ihr Leben und ihre Sexualität nicht als befriedigend empfinden und Hilfe suchen, die meist mentalen, oft nicht einmal bewussten Blockaden zu überwinden. Die Ursachen dafür sind vielfältig:

  • Religion (Sünde)
  • Erziehung („das gehört sich nicht“, negatives Verhältnis zum eigenen Körper, zu Nacktheit etc.) -Ängste (Risiken von Krankheiten. Schwangerschaft, aber oft auch Leistungsdruck) -oder gar traumatische Erlebnisse.

Die Mittel dazu in den mir bekannten in Tantra Kursen : -lerne Nähe zuzulassen und zu vertrauen(Berührungen, Umarmungen, sich anfassen lassen etc.) -lerne zu sagen, was Du gerne hättest oder tun würdest. (sage jmd. eine Sache, die Du Dir wünscht) -bei Leuten, die schon entschlossen sind, Körper-erfahrungen im geschützten Rahmen zuzulassen: -Kennenlernen des eigenen Körpers und den des Partners-Techniken zur Steigerung erotischer / sex.Empfindungen Das findet im „geschützten Raum“ und auf Anweisung der Kursleiter statt- also ohne persönliche Verantwortung an dem, was geschieht . Sie wird auf den Tantra-Lehrer übertragen. Man selbst ist nicht mehr verantwortlich und kann so Handlungen zulassen, mit denen man allein Probleme hätte.

  1. Warum haben Leute Spaß an DS / SM? Sehr vielschichtig .HIER ist nicht die Rede von reinen Sadisten und denen, die jede Verbindung von SM und Sex ablehnen. Eine Facette – aber eine häufige- ist, dass ohne eine DS/SM Situation Sex nicht oder nicht so richtig toll genossen werden kann. Auch wenn der „Zwang“, die „Wehrlosigkeit“ nur fiktiv ist, enthebt sie viele Passive doch anscheinend der Verantwortung für sexuelle Handlungen. Und erst dann können sie sich wirklich fallen lassen. Und die Erfahrung, dass eine solche Situation zu ungeahnten Höhen führen kann, bewirkt, dass sie immer wieder gesucht wird. Eine andere Facette -m.E. ebenso häufig- ist dieses: Ich kriege den Kopf nicht frei und solange ich dauernd denke, werde ich auch nicht richtig erregt. Neben alltäglichen Dingen, die einen ablenken, werden auch oft Zweifel überdacht, ob das, was gerade passiert, richtig oder doch falsch wäre, was der Partner jetzt von mir denkt etc. Erst wenn der Kopf „leer“ ist, kann man die Kontrolle abgeben und sich fallenlassen. Letztlich ist auch das eine Form der mentalen Blockade mit ganz ähnlichen Gründen wie oben angeführt. Mir scheint, dass sich hier im Bereich des Ursächlichen der Kreis zur ersten Gruppe nahezu schließt. Im Bereich des faktischen Umgangs damit aber sind die Unterschiede groß. Wer schon den Schritt gewagt hat, sich im DS/SM oder auch Swinger- Bereich zu bewegen, redet offener über und lässt sich auch praktisch eher auf neue unübliche Praktiken ein, als jemand, der nicht wagt, sein Kopfkino zu leben und deshalb unter dem Deckmantel der Esoterik zum Tantra Kurs geht.

Wie also kann ein Kurs für beide aussehen? Hartgesottene Masochisten und Sadisten werden eh nicht auf solchen Kursen auftauchen. Für die anderen scheinen mir Kompromisse gefragt. Die einen werden sich nicht in einem harten SM-Studio mit Steckbank, Käfig etc. wohlfühlen, die anderen nicht inmitten von Räucherstäbchen ,Klangschalen und Walgesängen.

Die Gemeinsamkeit scheint mir darin zu liegen, dass in einem Fall die Anweisung , im anderen der angebliche Zwang dazu führt, dass die Teilnehmer / die Passiven in die Lage versetzt werden, Dinge zuzulassen, die sie sich zwar wünschen aber sonst nicht zulassen können. Für die einen Ist das z.B. schon eine erotische Massage oder eine leichte Fesselung,, für die anderen Fisting oder eine Spanking Session. Diese Bandbreite bedingt, dass schon vor dem Kurs eine Kommunikation der Teilnehmer mit dem Coach ebenso wünschenswert ist, wie ein nicht zu esoterisches oder SM-lastiges Ambiente. Klare verbale Anweisungen und Fesselungen mit Seilen oder Leder sind zielführend, wenn ein Gefühl von „ich habe keine Verantwortung für das hier“ entstehen soll. Und auf jeden Fall sollten die Kursleiter/innen sowohl Tantra als auch SM nicht nur flüchtig kennen, sondern einen fundierten Hintergrund haben. Nur so werden sie den Kursteilnehmern beider Richtungen gerecht werden können.

Würde mich freuen, andere Ansichten, Zusätze, Diskussionsbeiträge zu bekommen.Weil wir mit einem (wirklich mal toll ausgebildeten) Tantralehrer und Masseur einen entsprechenden Workshop planen.

Autor
DocHenry
REAL
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